Berichte


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2010
 

Wohnheim am Riedberg
Psychisch Kranke sollen bis 2011 in einen Neubau ziehen


Der Verein Sozialwerk Main Taunus (smt) wird im neuen Stadtteil Riedberg ein Wohnheim mit 20 Plätzen für psychisch Kranke bauen. Dafür hat der gemeinnützige Verein, der Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist, vom Entwicklungsträger Hessen-Agentur ein Grundstück an der Altenhöferallee erworben. Das zweieinhalbstöckige Gebäude wird von der Lechner Immobilien Development GmbH nach Plänen des Darmstädter Architekurbüros Planquadrat errichtet. Für das etwa 2,5 Millionen Euro teure Projekt, das im November 2011 bezogen werden soll, erhält der Verein vom Landeswohlfahrtsverband eine Million Euro.
Das Sozialwerk wurde von der Stadt mit der psychosozialen Versorgung der Frankfurter in den nördlichen Stadtteilen betraut und unterhält Beratungsstellen am Dornbusch und in Heddernheim. Seit 1975 betreibt es ein Wohnheim an der Eckenheimer Landstraße. Dort leben Menschen, die nicht in der Lage sind, ihren Alltag alleine zu meistern. Das Haus sei jedoch abgewohnt und der Mietvertrag deshalb nach 35 Jahren nicht verlängert worden, berichtete SMT-Geschäftsführer Franz Biebl. Bis in die siebziger Jahre seien psychisch Kranke in Heimen "auf der grünen Wiese" untergebracht worden, sagte Hans-Joachim Kirschenbauer, Psychiatrie-Koordinator der Stadt beim Gesundheitsamt. Dann habe ein Umdenken stattgefunden, und alle Heime hätten abgeschafft werden sollen. Inzwischen habe man eingesehen, dass es Menschen gebe, die nicht alleine zurechtkämen. Für sie stünden im Stadtgebiet zur Zeit etwa 400 Plätze in Wohnheimen bereit.
Mit dem Umzug wird das Sozialwerk seine Plätze reduzieren. 27 der bisherigen Bewohner seien inziwschen so selbständig, dass sie in kleinen Gruppen im Stadtgebiet leben könnten. Es sei jedoch schwierig, für psychisch Kranke Wohnungen zu mieten, berichtete Biebl. Noch fehlten zwei bis drei Objekte für betreute Wohngruppen. Obwohl psychische Krankheiten weit verbreitet seien - etwa 60 Prozent der Bevölkerung müssten sich irgendwann in ihrem Leben deswegen behandeln lassen -, gebe es noch immer Berührungsängste.
Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) lobte das soziale Engagement des Vereins. In den Werkräumen im Untergeschoss des Neubaus sollen auch Angebote für die erwarteten 15000 Einwohner des Stadtteils gemacht werden.





 






Frankfurter Neue Presse, 21.05.2010
 

Des Riedbergs erste Heimstätte
Sozialwerk baut für psychisch Kranke



Es ist kein großes Wohnprojekt, an dem Investoren viel Geld verdienen, das gestern auf dem Riedberg vorgestellt wurde. Und doch ist es etwas besonderes für den jungen Stadtteil. Das Sozialwerk Main Taunus baut dort ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen, die im Viertel integriert leben sollen.

Riedberg. 400 Menschen mit psychischen Erkrankungen leben in Frankfurt in speziellen Wohnheimen. Auch das Sozialwerk Main Taunus (smt) unterhält solch ein Haus im Nordend. Doch diese Heimstätte ist bald Geschichte. Der Verein baut mit Unterstützung des Landeswohlfahrtsverbandes neu. An der Altenhöferallee 163 auf dem Riedberg. Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, der Bauantrag gestellt, der erste Spatenstich soll im Spätsommer erfolgen, und für ein gutes Jahr später ist der Umzug ins neue Quartier geplant.

Der Riedberg wächst weiter, mittlerweile leben 3500 Menschen im Quartier, bis 2017 sollen es 15 000 sein. Und er bekommt immer mehr ein städtisches Gesicht, 2010 ist das Jahr der Spatenstiche, sei es für die Großprojekte von ABG und GHW, die Kita Mitte oder das Gymnasium. Und doch liegt das geplante Wohnheim des smt allen Beteiligten besonders am Herzen. «Das ist kein Projekt, das durch sein Volumen besticht. Vielmehr beeindruckt es durch das gesellschaftspolitische und soziale Engagement, das hier zum Ausdruck kommt», betonte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) bei der Vorstellung der Pläne. Auch Riedberg-Entwickler Werner Hackermeier ist überzeugt davon, «dass das ein ganz wichtiges Projekt für den Riedberg ist und ein Meilenstein für die Entwicklung des neuen Stadtteils».


2,6 Millionen Euro kostet der zweieinhalbgeschossige Neubau, der wenige hundert Meter vom Riedberg-Zentrum gebaut wird, der Landeswohlfahrtsverband bezuschusst den Bau mit einer Million Euro. 20 Menschen mit psychischen Erkrankungen ziehen dort Ende 2011 ein, 24 Stunden am Tag von Mitarbeitern des smt betreut. Es sind 27 Menschen weniger als derzeit im smt-Wohnheim an der Eckenheimer Landstraße leben, für sie sucht das Sozialwerk derzeit Wohnungen, was gar nicht so einfach ist. «Die Berührungsängste sind noch immer enorm, es ist schwer, Wohnungen oder Häuser für psychisch Kranke zu finden», sagte smt-Geschäftsführer Franz Biebl. Doch der Trend gehe zum betreuten Wohnen. «Auch wenn es immer eine kleine Gruppe von Menschen geben wird, die ins Heim müssen.» Das betonte auch Dr. Hans-Joachim Kirschenbauer, Abteilungsleiter Psychiatrie im Stadtgesundheitsamt. «Das betreute Wohnen hat sich bewährt. Aber manche Menschen brauchen besondere Aufmerksamkeit, können nicht eigenständig leben.»
Das neue Wohnheim richtet sich somit an Menschen, die Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags benötigen. Selbständigkeit, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung sollen aber auch dort aktiv gefördert werden. Das Wohnheim schafft als Hausgemeinschaft überschaubare Strukturen, die ein Gefühl der Vertrautheit vermitteln. Das heiße jedoch nicht, dass das Wohnheim von der Außenwelt abschottet ist. Vielmehr ist es für das smt wichtig, sich dem Stadtteil zu öffnen und auch Angebote für deren Bewohner zu machen. Schon in der Vergangenheit habe es Projekte und Kurse gegeben, die von behinderten und nicht behinderten Menschen aus dem Stadtteil gemeinsam besucht wurden. «Dadurch entstehen Kontakte und Beziehungen, das gegenseitige Verständnis wird gefördert. Wir sind sicher, diese Erfahrung ebenso im neuen und aufgeschlossenen Stadtteil Riedberg machen zu können», sagte Biebl, der es wissen muss, wohnt er doch selbst im Viertel.